Situationseinschätzung
zur Neuen Influenza
Stand 08.05.2009,
10.00 Uhr Am 7.5.2009 wurde der elfte Fall der neuen Grippe
(Influenza A/H1N1) in Deutschland bestätigt. Es handelt sich um einen
Mann aus Bayern, der sich in den USA infiziert hat, wo neben Mexiko
bislang die meisten Fälle aufgetreten sind. Zuvor waren acht
Erkrankungsfälle aus Mexiko eingeschleppt worden, zwei Menschen hatten
sich in Bayern bei einem Mexikorückkehrer angesteckt. Die elf Fälle
verteilen sich auf die Bundesländer Bayern (6), Brandenburg (2),
Sachsen-Anhalt (2) und Hamburg (1). Zuvor war am 6.5.2009 der zehnte
Fall bestätigt worden. Die ersten drei Fälle waren am 29.4.2009
bestätigt worden. Für Deutschland wird derzeit eine gewisse
Stabilisierung gesehen, aber nach wie vor kann keine Entwarnung gegeben
werden. Mit weiteren Erkrankungen in Deutschland muss gerechnet werden.
Nach derzeitigem Stand ist das Virus gut übertragbar. Hinzu kommt, dass
Grippeviren ihr Erbgut ständig verändern. Es muss vor allem die
internationale Situation im Auge behalten werden, um auch zukünftig auf
neue Entwicklungen rasch und angemessen reagieren zu können. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das neue
Virus am 25.4.2009 als gesundheitliches Risiko von internationaler
Bedeutung eingestuft, eine vergleichbare Einstufung gab es beim
Auftreten von SARS 2003. Die Weltgesundheitsorganisation hat am 27.
April die pandemische Warnphase 4 und am 29. April 2009 die Phase 5
ausgerufen. Phase 5 wird charakterisiert durch eine
Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus in mindestens zwei Staaten einer
WHO-Region. Die meisten Staaten weltweit sind noch nicht betroffen von
der neuen Grippe. Auf eine solche Situation hat sich
Deutschland in den vergangenen Jahren vorbereitet. Das Robert
Koch-Institut hat (wie in der Pressemitteilung vom 27.4.2009
mitgeteilt) den gemeinsam von Bund und Ländern getragenen Nationalen
Pandemieplan Anfang 2005 und eine aktualisierte Fassung 2007
veröffentlicht. Der Pandemieplan enthält Maßnahmen, Aufgaben und
Handlungsempfehlungen und erläutert die wissenschaftlichen
Zusammenhänge der Pandemieplanung. Für die Einschleppung von Fällen haben die
Gesundheitsbehörden des Bundes und der Länder Maßnahmen ergriffen, um
die Betroffenen schnell zu behandeln und Infektionen vor Ort möglichst
zu vermeiden. Zusammen mit dem Bundesministerium für Gesundheit und den
Ländern hat das RKI die bestehenden Empfehlungen zum Vorgehen in
solchen Situationen an die aktuelle Situation angepasst und den
Gesundheitsämtern, Krankenhäusern und Ärzten zur Verfügung gestellt.
Die Maßnahme-Empfehlungen sind auch auf den Internetseiten des Robert
Koch-Instituts abrufbar. Darunter sind auch Empfehlungen für
Gesundheitsbehörden vor Ort zum Vorgehen bei einem
Neue-Grippe-Verdachtsfall, zur Probenentnahme und Hinweise für
Flugpassagiere, in deren Flugzeug sich Personen mit
Atemwegserkrankungen aufhielten (in Englisch, Deutsch, Spanisch). Bezüglich des Schutzes des Medizinpersonals
greifen die bestehenden Empfehlungen, wie sie bei Influenza üblich
sind. Die bei einer Krankenschwester aufgetretene Infektion
unterstreichen die Bedeutung dieser Empfehlungen. Für die Bevölkerung wird nach wie vor keine
allgemeine Gefährdung durch die neue Grippe gesehen. Generell
empfohlene persönliche Hygienemaßnahmen sollten aber besonders beachtet
werden, insbesondere bei Kontakt zu Reiserückkehrern aus betroffenen
Regionen. Influenzaviren werden vor allem durch Tröpfcheninfektion
übertragen. Insbesondere beim Niesen oder Husten können Erreger auch
auf die Hände gelangen und darüber weiterverbreitet werden. Daher wird
häufiges Händewaschen empfohlen, außerdem sollten die Hände vom Gesicht
ferngehalten werden, die die Erreger leicht auf die Schleimhäute von
Augen, Nase und Mund übergehen können. Beim Husten sollte in den Ärmel
gehustet werden. Ausführliche Informationen zu persönlichen
Schutzmaßnahmen bei Virusinfektionen sind in der Broschüre
„Selbstverteidigung gegen Viren“ enthalten, die unter
www.wir-gegen-viren.de abrufbar ist und ab Mitte Mai bei der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln bestellt werden
kann. Die Neuraminidasehemmer (antivirale Medikamente
gegen Influenzaviren) scheinen bei dem neuen Virus wirksam zu sein. Es
ist bislang nicht bekannt, ob der saisonale H1N1-Impfstoff gegen dieses
Virus schützt, das wird derzeit geprüft. Die Symptome der neuen Grippe sind ähnlich wie bei
saisonaler Influenza, vor allem Fieber, Atemwegsbeschwerden und
Gliederschmerzen; in Mexiko gab es eine Reihe von Todesfällen. Bei dem
ersten Todesfall außerhalb Mexikos - in den USA - handelte es sich um
einen Patienten aus Mexiko, der sich zu dem Zeitpunkt in den USA
befunden hat. Am 6.5.2009 wurde ein zweiter Todesfall in den USA
bekannt, eine Frau mit einer Grunderkrankung. Weltweit sind nach WHO-Angaben inzwischen mehr als
2.400 Menschen an der neuen Influenza erkrankt, die weitaus meisten
Fälle traten in Mexiko und in den USA auf. In Europa wurden bislang
mehr als 150 Fälle registriert. Weitere Informationen, auch zu Hotlines
von RKI und anderen: www.rki.de/influenza Stand:
08.05.2009 |